Reformationsjubiläum: Schöner Rahmen trotz schlechtem Redner

01.11.2017

WICKEDE (RUHR). Den farbigen Schlusspunkt zur Feier des Reformationsjubiläums setzten Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde und weitere Christen am gestrigen Dienstag (31. Oktober 2017), indem sie rund 150 rote und weiße Gasluftballons nach dem Gottesdienst in den schwarzen Abendhimmel steigen ließen. An die Ballons geknüpft hatten die Protestanten ihre persönlichen Wünsche zu dem Motto „Mein Gott, dass muss anders werden!“ – Damit sind die lokalen Veranstaltungen zur Veröffentlichung der 95 Thesen von Reformator Martin Luther gegen den katholischen Ablasshandel vor 500 Jahren beendet.

Mehr als 250 Besucher hatten zuvor an einem von Pfarrer Dr. Christian Klein geleiteten Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der evangelischen Christus-Kirche an der Jahnstraße in Wickede teilgenommen.

Die Besonderheit dabei: Die örtliche Organistin Valentina Wekesser hatte zu Kirchenliedern mit alten Texten von Martin Luther neue Melodien komponiert und die Stücke modern arrangiert. Beim Vortrag der Werke wurde Wekesser (Klavier und Orgel) von dem jungen Cellisten Jurgen Skura (Wickede), der Geigerin Inga Pets und dem Cajón-Spieler Kai Rossa sowie der Sängerin Carolin Wimmeler musikalisch begleitet. – Nicht nur Pastor Klein zeigt sich davon begeistert – von den Zuhörern gab es auch anhaltenden Applaus für die lokale Komponistin und die sie unterstützenden Künstler.

„Mein Gott, dass muss anders werden!“

Artigen Applaus erhielt Professor Dr. Bernd Beuscher aus Bochum als Gastprediger zu dem Motto: „Mein Gott, dass muss anders werden!“ – Der verbale Rundumschlag des  Religionspädagogen von der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe fand allerdings bei vielen Zuhörern keinen Anklang. Denn die Aneinanderreihung von Schlagwörtern und Sinnsprüchen ergaben leider in Gänze keinen wirklichen Sinn.

Der Redner aus dem Ruhrgebiet hätte sich beim Schreiben seines Vortrages wohl mehr den Luther-Spruch zu Herzen nehmen sollen: „Wortgeklingel verdrießt mehr, als dass es erbaut. Mit Wenigem viel sagen, das ist die Kunst; die größte Torheit aber ist’s, viel zu reden und doch nichts zu sagen.“ – Letzteres war leider aber das Manko des akademischen Predigers, der für seine Wortwahl besser „dem Volk aufs Maul geschaut“ (Luther) hätte – als teilweise ins Marketing-Deutsch zu verfallen und verquast daherzureden.

„Erst wenn der Lebensnerv getroffen, kannst du auf Interesse hoffen!“

Aber nicht nur sprachlich auch inhaltlich war die Predigt schlecht. Auch Akademiker im Publikum vermissten den roten Faden in der Rede und konnten keine klaren Kernaussagen in den Worten von Beuscher erkennen.

So verfehlte der Professor leider völlig seine zuvor genannte Maxime: „Erst wenn der Lebensnerv getroffen, kannst du auf Interesse hoffen!“

Der Gastprediger faselte von Mineralwässern, süßer Brause und Whisky-Cola ebenso wie von „stylischen Leitkulturbeuteln“ des christlichen Abendlandes, von der „existenziellen Intelligenz“, vom „altklugem Religelaber“ und den „Heiligen Schriften“ als „Moralkataloge mit frommem Flair“.

Beuschers Bemerkung „Christen sind freundliche Moralapostel. Und Gott ist eine Art Gruselclown.“ passte zwar zum gestrigen Halloween, war aber ähnlich merkwürdig wie seine Aussage: „…Moral macht nicht satt, sondern frustriert auf Dauer. Die Risiken und Nebenwirkungen von Moral sind Koma und Amok!“

Oder: „,Evangelium‘ bedeutet: Religion kommt in die Pubertät. Religion wird moralisch erwachsen.“

Der Sinn der Rede blieb vielen Zuhörern unverständlich

Für Formulierungen wie „Das weckt Resilienz, das setzt Früchte frei.“ hätte die überwiegende Mehrheit der Zuhörer  vermutlich ein Fremdwörterbuch benötigt, um das Wort „Resilienz“ nachzuschlagen, welches übrigens mehrere Bedeutungen hat. Aber auch danach wäre den meisten vermutlich unklar geblieben, was der Redner mit diesem Satz eigentlich sagen wollte.

Und auch wenn der Bochumer wieder in eine eigentlich verständlichere Umgangssprache verfiel, wurden seine Worte doch nicht wirklich verständlicher und sinnhafter: „Das Leben ist kein Ponyhof und das Christentum keine harmlose Religion“, erklärte Beuscher von der Kanzel. „Das Christentum ist die behinderte Religion unter den Religionen. Und das ist auch gut so, weil das Leben behindert ist“, schwadronierte der Professor.

Die Erkenntnis aus dem ganzen Wortschwall: „Mein Gott, die Rede des Professors muss anders werden!“ – Und zwar verständlicher und sinnhafter. – Das lehrte Luther bereits vor rund 500 Jahren und er meinte damit, dass die theologischen Rhetoriker ihre Rede reformieren müssten.

Schöner Rahmen zur Feier des Reformationsjubiläums

Die schwache Predigt des Professors tat dem Gelingen der Feier des Reformationsjubiläums allerdings keinen wesentlichen Abbruch. Denn das Ambiente mit der farblichen Illumination des Kirchenraumes und der von Valentina Wekesser geprägte musikalische Rahmen mit den Luther-Liedern sowie der abschließende freundliche Empfang durch das Organisationsteam sorgten für eine angemessene Feier des Gedenktages anlässlich der Geburtsstunde der Reformation vor 500 Jahren.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Der Gastprediger Professor Dr. Bernd Beuscher (rechts) aus Bochum zusammen mit dem örtlichen Pfarrer Dr. Christian Klein von der evangelischen Kirchengemeinde Wickede (Ruhr). FOTO: ANDREAS DUNKER
Der Gastprediger Professor Dr. Bernd Beuscher (rechts) aus Bochum zusammen mit dem örtlichen Pfarrer Dr. Christian Klein von der evangelischen Kirchengemeinde Wickede (Ruhr). FOTO: ANDREAS DUNKER
Kirchenmusikerin Valentina Wekesser präsentierte mit einem kleinen Orchester und einer Vokalistin zusammen die von ihr neu arrangierten und komponierten Luther-Lieder. FOTO: ANDREAS DUNKER
Kirchenmusikerin Valentina Wekesser präsentierte mit einem kleinen Orchester und einer Vokalistin zusammen die von ihr neu arrangierten und komponierten Luther-Lieder. FOTO: ANDREAS DUNKER
Volles Gotteshaus: Mehr als 250 Besucher nahmen an dem feierlichen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der evangelischen Christus-Kirche in Wickede teil. FOTO: ANDREAS DUNKER
Volles Gotteshaus: Mehr als 250 Besucher nahmen an dem feierlichen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der evangelischen Christus-Kirche in Wickede teil. FOTO: ANDREAS DUNKER
Volles Gotteshaus: Mehr als 250 Besucher nahmen an dem feierlichen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der evangelischen Christus-Kirche in Wickede teil. FOTO: ANDREAS DUNKER
Nach dem Gottesdienst ließen die Christen rund 150 rote und weiße Gasluftballons in den schwarzen Abendhimmel steigen. FOTO: ANDREAS DUNKER
Nach dem Gottesdienst ließen die Christen rund 150 rote und weiße Gasluftballons in den schwarzen Abendhimmel steigen. FOTO: ANDREAS DUNKER

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