Sekundarschule: Welche Folgen hat die Kooperation zwischen Wickede und Werl?

08.02.2018

WICKEDE (RUHR) / WERL. Papier ist geduldig. Und so bleibt abzuwarten, wie sich der am gestrigen Donnerstag (8. Februar 2018) von der Stadt Werl und der Gemeinde Wickede (Ruhr) unterschriebene Kooperationsvertrag in Bezug auf die kommunalen Sekundarschulen tatsächlich auf Dauer auswirkt. – Denn bereits jetzt können Werler Kinder die Sekundarschule in Wickede besuchen und Wickeder die Sälzer-Sekundarschule in der Hellwegstadt. Künftig erhalten Fahrschüler die Kosten für den Schultransfer in die jeweilige Nachbarkommune allerdings komplett erstattet.

Und die beiden Sekundarschulen wollen Wechsler von anderen weiterführenden Schulen wie Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen nach dem fünften Jahrgang sowie neu zugezogene Schüler notfalls an die Kooperationsschule der Nachbarkommune verweisen.

Insbesondere soll dies der Fall sein, wenn die Aufnahmekapazitäten in einem Jahrgang erschöpft sind oder bestehende Klassenverbände auf Grund des Überschreitens der gesetzlich maximal zulässigen Schülerzahl neu strukturiert werden müssen. Denn die Klassengemeinschaft sei in den „Schulen des längeren gemeinsamen Lernens“ ein wichtiges soziales Gefüge, erklärte Rektorin Gabriele Fuhlrott von der Sälzer-Sekundarschule der Stadt Werl. Eine optimale Klassenstärke inklusive zwei Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Rahmen der Inklusion läge bei 25 Jungen und Mädchen.

Raumnot ist nur ein sekundäres Problem

Während Wickedes Bürgermeister Dr. Martin Michalzik (CDU) noch erst kürzlich auf die Raumnot der Sälzer-Sekundarschule als Hintergrund für eine Kooperationsvereinbarung verwiesen hatte, erklärte die zuständige Fachbereichsleiterin Iris Bogdahn von der Stadt Werl am gestrigen Donnerstag (8. Februar 2018) überraschend, das dieses Problem nur eine sekundäre Rolle spiele.

Inhaltliche Kooperation der beiden Sekundarschulen angestrebt

Fachbereichsleiterin Susanne Modler von der Gemeinde Wickede (Ruhr) betonte im Exklusiv-Gespräch mit unserer Redaktion vor allem eine inhaltliche Kooperation der beiden Sekundarschulen. In Zukunft solle es im pädagogischen Bereich eine deutlich engere Zusammenarbeit geben.

Inwieweit dies in der Praxis möglich ist, bleibt abzuwarten. Denn die Sälzer-Sekundarschule in Werl unterrichtet „integrativ“ und die Wickeder Sekundarschule „teilintegrativ“. Will sagen: In einigen Unterrichtsfächern werden die Schüler der Wickeder Sekundarschule nicht gemeinsam in ihrer Klasse sondern je nach persönlichem Potential in Kursen mit unterschiedlichem Leistungsniveau unterrichtet.

Ob dies bei einer möglichen dauerhaften Zweizügigkeit weiterhin so bliebe, lies Rektor Peter Zarnitz von der Sekundarschule der Gemeinde Wickede (Ruhr) offen.

Schulwechsel nach der vierten Klasse in Sekundarschule vor Ort garantiert

Beim Wechsel von der Grundschule in die Sekundarschule soll jedem Kind übrigens weiterhin eine Beschulung in der eigenen Kommune ermöglicht werden, hieß es übereinstimmend seitens der Vertreter der Schulträger.

Nicht zuletzt deshalb dürfte sich eine Kooperation der beiden Bildungseinrichtungen frühestens in ein paar Jahren auswirken. Und dies wohl auch nur marginal. Denn mit größeren Schülerströmen von Werl nach Wickede oder umgekehrt rechnet wohl niemand wirklich. – Vermutlich deshalb sah Werls Bürgermeister Michael Grossmann (CDU) auch kein Problem in der Finanzierung der Kosten für mögliche Fahrschüler.

„Rückläufer“ aus anderen weiterführenden Schulen eventuell betroffen

„Für Anmeldungen zum fünften Schuljahr gilt, dass alle Schüler aus Werl, die an der Sälzer-Sekundarschule angemeldet werden, auch dort aufgenommen werden“, stellte Wickedes Fachbereichsleiterin Susanne Modler im Gespräch mit unserer Redaktion klar. Bei der öffentlichen Bekanntmachung der Kooperation ginge es vornehmlich um die Information von Eltern, die ihre Kinder an anderen weiterführenden Schulen als den Sekundarschulen anmelden würden. Denn spätere „Rückläufer“ seien eventuell schon von der neuen Regelung betroffen. „Solche Schüler mit Wohnsitz in Werl können durchaus an die Wickeder Sekundarschule verwiesen werden“, so Modler.

Keine Auswirkungen auf Alltag oder Unterricht der beiden Sekundarschulen

Ansonsten habe die Kooperation keine Auswirkungen auf den Alltag oder den Unterricht der beiden Sekundarschulen, versicherte die Wickeder Fachbereichsleiterin. Bereits jetzt habe man ja sowohl in Wickede als auch in Werl schon viele Schüler aus anderen Kommunen.

Von den aktuell 833 Schülern der Sälzer-Sekundarschule der Stadt Werl kommen zwölf Kinder aus der Gemeinde Wickede (Ruhr).

Aus Werl zur Wickeder Sekundarschule fahren acht Kinder. Diese zählt mit Beginn des neuen Schulhalbjahres insgesamt 401 Schüler.

274 von ihnen stammen aus der Ruhrgemeinde, weitere 82 aus der Nachbarstadt Arnsberg (vornehmlich Voßwinkel) sowie 14 aus Ense, zehn aus Fröndenberg, zwölf aus Menden und ein Kind sogar aus Dortmund.

Sekundarschule als Nachfolgeeinrichtung für Hauptschule richtig

Fachbereichsleiterin Susanne Modler hält die Gründung einer Sekundarschule durch die Gemeinde Wickede (Ruhr) im Jahre 2012 nach wie vor für den richtigen Weg. Denn die Gerken-Hauptschule sei in ihrem letzten Jahrgang nur noch einzügig möglich gewesen, da kaum noch Kinder von der Grundschule zu dieser Schulform hätten wechseln wollen.

Eine „Schule des längeren gemeinsamen Lernens ohne gymnasiale Oberstufe“ sei daher eine gute Alternative gewesen. Dies hätten auch die deutlich höheren Anmeldezahlen für den Einstiegsjahrgang der Sekundarschule gezeigt.

Die Investitionen von rund acht Millionen Euro in den Um- und Neubau der Bildungseinrichtung im Hövel seien deshalb berechtigt.

Konkurrenz mit neu etablierten Sekundar- und Gesamtschulen in Nachbarorten

„Dass wir eine gesicherte Dreizügigkeit nur aus Wickeder Schülern generieren könnten, davon sind wir von Anfang an nicht ausgegangen“, erklärte Modler. Durch die Konkurrenz von neu etablierten Sekundar- und Gesamtschulen in Nachbarorten wie Arnsberg-Neheim, Ense-Bremen und Menden sowie auf Grund von geburtsschwächeren Entlassjahrgängen in den Grundschulen werde das Potential für die Wickeder Sekundarschule einfach geringer.

Deshalb sei die Initiative der nordrhein-westfälischen CDU/FDP-Landesregierung den ländlichen Schulbestand durch eine mögliche Zweizügigkeit der Sekundarschule zu sichern genau richtig. Denn dies sorge für eine Bestandsgarantie der Wickeder Sekundarschule.

Prognose zu den kommenden Anmeldezahlen kaum möglich

Wie sich die Anmeldezahlen in diesem Jahr für die Sekundarschule der Gemeinde Wickede (Ruhr) entwickeln würden, könne man noch nicht genau voraussehen, so Modler. Bislang sei aber eine durchschnittliche Übergangsquote von vierten Schuljahren der zwei Grundschulen in Wickede üblich gewesen. In diesem Jahr seien 98 Kinder von einem Wechsel zu einer weiterführenden Schule betroffen. Im vergangenen Jahr seien es nur 79 Jungen und Mädchen gewesen. Letztlich gebe es aber eine freie Schulwahl der Eltern und auch eine Empfehlung der Grundschulen für die weitere Schullaufbahn der Kinder sei nicht verpflichtend. Deshalb könne man keine genaue Prognose abgeben.

Bildungsbereich immer in Bewegung

Generell spielten einfach zu viele unbekannte Faktoren eine Rolle, um die Entwicklung im Schulwesen exakt zu planen. Der Bildungsbereich sei immer in Bewegung. Gerade deshalb sei eine regionale Kooperation wichtig.

ANDREAS DUNKER für „wickede.ruhr HEIMAT ONLINE“

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Der Werler Bürgermeister Michael Grossmann (vorne, links) und Fachbereichsleiter  Christian Wiese (vorne, rechts) von der Gemeinder Wickede (Ruhr) unterzeichneten als Vertreter der kommunalen Schulträger den Kooperationsvertrag zwischen der Sälzer-Sekundarschule der Stadt Werl und der Sekundarschule der Gemeinde Wickede (Ruhr). Hinterere Reihe (von links): der Werler Bildungs-Abteilungsleiter Ingo Knipping, der Wickeder Sekundarschulleiter Peter Zarnitz, Fachbereichsleiterin Susanne Modler von der Gemeinde Wickede (Ruhr), Fachbereichsleiterin Iris Bogdahn von der Stadt Werl und Schulleiterin Gabriele Fuhlrott von der Sälzer-Sekundarschule. FOTO: ANDREAS DUNKER
Der Werler Bürgermeister Michael Grossmann (vorne, links) und Fachbereichsleiter
Christian Wiese (vorne, rechts) von der Gemeinder Wickede (Ruhr) unterzeichneten als Vertreter der kommunalen Schulträger den Kooperationsvertrag zwischen der Sälzer-Sekundarschule der Stadt Werl und der Sekundarschule der Gemeinde Wickede (Ruhr). Hinterere Reihe (von links): der Werler Bildungs-Abteilungsleiter Ingo Knipping, der Wickeder Sekundarschulleiter Peter Zarnitz, Fachbereichsleiterin Susanne Modler von der Gemeinde Wickede (Ruhr), Fachbereichsleiterin Iris Bogdahn von der Stadt Werl und Schulleiterin Gabriele Fuhlrott von der Sälzer-Sekundarschule. FOTO: ANDREAS DUNKER

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